Nachlese I: Frankfurter Buchmesse


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Auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die vom 6.–10. Oktober stattfand, waren die Themen Digitalisierung und E-Books wichtige Aspekte. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dabei eine angenehme Nüchernheit und Selbstverständlichkeit in die Diskussionen und Gespräche eingekehrt. Das Thema verursacht nicht mehr so viele Schweißausbrüche bei Verlagen, der „Hype“ hat sich gelegt, viele Befürchtungen und Erwartungen haben sich, seit die Lesegeräte auf dem Markt sind, sehr relativiert. Angesichts der Komplexität des Themas – vom digitalen Workflow in der Herstellung, über die passenden E-Book-Formate bis hin zum Thema Social-Media-Marketing – ist klar, dass es die eine, optimale Lösung nicht gibt, dass jeder Verlag, abhängig von seinen Zielgruppen, Produkten und Kapazitäten, seinen eigenen Weg finden muss. Und es ist auch klar geworden, dass das Internet angesichts des Stellenwertes, das es für die nachwachsenden Zielgruppen hat, an Bedeutung gewinnen wird. Dabei ist es weder ein Allheilmittel gegen sinkende Absätze noch das Böse schlechthin, das sich in „Umsonstmentalität“ und „illegalen Tauschbörsen“ manifestiert.

Das dominierende Thema im Bereich E-Books war erwartungsgemäß das iPad und, damit verbunden, die sogenannten enhanced E-Books, d. h. multimedial durch Links, Videos, Soundtracks usw. erweiterte Bücher, die bevorzugt als App für das iPhone oder iPad verkauft werden. Apps erscheinen den Verlagen momentan als beste Möglichkeit, ihre Inhalte zu verkaufen. Dabei werden die Bücher oder Zeitschriften in der Regel als PDFs oder im ePub-Format kopiergeschützt über den iTunes-Store verkauft. Obwohl Anbieter mit mobil-optimierten Websites eine wesentliche größere Reichweite erreichen könnten, gelten die Apps bei Verlagen momentan als Medium der Wahl, da sie die Bedingungen der Verlage, vor allem an DRM, erfüllen und vom Kunden trotz Einschränkungen am ehesten akzeptiert werden.

Außer am strengen Kopierschutz halten viele Verlage daran fest, für die E-Book-Variante eines Titels (mindestens annähernd) denselben Preis zu verlangen wie für die gedruckte Variante. Dies akzeptieren viele potenzielle Kunden nicht: Aufgrund der meist nicht ausgereiften technischen Grundlagen (1:1-Umsetzung als PDF, unattraktive Graustufen-Displays bei Readern) und der Einschränkungen der Nutzung (Festlegung auf bestimmte Geräte, Leserecht statt Besitz und Verfügbarkeit) empfinden sie das E-Book als minderwertig gegenüber dem gedruckten Buch. Will man ernsthaft E-Books verkaufen und mit vergleichbarem Engagement wie bei Printtiteln vertreiben, werden diese Preise und Einschränkungen nicht zu halten sein.

Aktualisiert am 1. November 2010