Nach dem iPad-Event


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Eine Woche nach dem Apple-Event ist es mal Zeit, zurückzublicken, und, nachdem sich der Pulverdampf der enttäuschten Erwartungen und euphorischen Lobpreisungen gelegt hat, zu schauen, was von dem Apple-Tablet nun wirklich zu erwarten ist. Dabei hat, unter allen Kommentatoren, mal wieder David Pogue das wohl weitsichtigste Urteil gesprochen: „it’s too early to draw any conclusions“. Warten wir’s ab!

Dennoch: Wie der Technikpublizist John Markoff zurecht feststellt, ist das iPad ein weiterer Schritt in das Post-PC-Zeitalter. Das Internet emanzipiert sich weiter vom Computer, nach den Handys und Netbooks kommt jetzt eine neue Generation von Geräten, die das Internet noch stärker in das Alltagsleben integrieren werden. Twitter, Social Networks wie Facebook, RSS-Feeds und Chats konnten schon auf dem Handy benutzt und die Vernetzung mit Freunden und Geschäftspartnern unterwegs aufrechterhalten werden. Der Ausbau schnellerer mobiler Internetzugänge und webbasierter Anwendungen („Cloud Computing“), die selbst keine großen Kapazitäten erfordern und daher auf der Anwenderseite keine mächtigen Computer mehr benötigen, hat das „mobile Leben” (Nokia) ermöglicht. GPS auf dem Handy und Geolocation-Dienste wie foursquare.com, die den eigenen Aufenthaltsort ermitteln und Freunde, Events und Ausgehtipps in der Nähe anzeigen, sind eine logische Folge davon.

Während Apples neuer großer Gegenspieler Google mit seinem Browser, einem PC- und Handy-Betriebssystem und jetzt auch einem eigenen Handy weiter auf ein möglichst umfassendes Online-Serviceangebote und dem damit verbundenen Sammeln von Informationen setzt (wobei der Schein von „Freiheit“ nur als Teil des Google-Geschäftsmodells zu sehen ist, Autoren und Verlage können ein Lied davon singen), verfolgt Apple als Hard- und Softwareanbieter eine andere Strategie, die, wie Markoff zurecht herausstellt, von Misstrauen gegenüber Cloud-Computing und Online-Netzwerken geprägt ist. Apples eigenes, kostenpflichtiges Cloud-Computing-Angebot „MobileMe“ war und ist, angesichts der kostenlosen Konkurrenz, nur mäßig erfolgreich. Neben der Haptik der schön designten Geräte und der nahtlosen Hard- und Software-Integration (Apples altes Alleinstellungsmerkmal, als Microsoft noch der große Gegenspieler war: „Es funktioniert einfach”) setzt Apple auf die Kontrolle des Zugangs zu den Inhalten. Wie schon bei den iPhone-Apps werden auf dem iPad nur diejenigen Programme laufen, die das Gefallen von Apple und damit Aufnahme in den Apple-Shop finden. Der App-Download von anderen Websites wird von Apple verhindert und ist nur mit gehackten Geräten möglich. Auch Flash, eine weit verbreitete Anwendung auf Internetseiten bleibt bei Apple ausgesperrt – für beides gibt es keine plausiblen Gründe, denn Geräte anderer Anwender wie Nokia, ermöglichen sowohl das eine wie das andere. Eine Praxis der Kontrolle, an der immer lauter Kritik geübt wird, Geschichten von aus abwegigen Gründen (auch hier) oder gar ganz ohne Begründung abgelehnten Apps sind so legendär wie zahlreich.

Die „Ausweitung der App-Kampfzone“ (Thomas Rohde) sowie der Einsatz eines vermutlich proprietären Digital-Rights-Management-Systems bei den E-Books, das die iBooks an den Apple-Shop bindet und den Austausch mit anderen Geräten erschwert, sind auch die häufig geäußerten Kritikpunkte an Apples Eintritt in den Buchmarkt. Auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels warnt in einer Stellungnahme vor möglichen „künstlichen Barrieren durch geschlossene Shopsysteme“. Denn wie Apple seine Marktmacht bei der Preisgestaltung im iTunes-Shop gegenüber den Plattenlabels ausnutzte, unterscheidet sich nur graduell von dem Gebahren, das amazon Verlagen gegenüber an den Tag legt. Der Kampf der großen Player um Marktanteile und Gewinne könnte über kurz oder lang auch die Preisbindung bei E-Books infragestellen. Angesichts dieser mehr als unsicheren Aussichten ist es verständlich, dass sich nach dieser Woche auch angesichts des lange erwarteten Einstiegs von Apple in den E-Book-Markt in der deutschen Buchbranche nicht viel Euphorie zu spüren ist.

Aktualisiert am 3. Februar 2010