Das Warten auf das Apple-Tablet
Der Advent ist ja eigentlich die Zeit des Wartens… aber obwohl Weihnachten schon längst vorbei ist, geht das Warten weiter, und zwar auf die Ankunft eines Gerätes, das die Buchwelt nachhaltig verändern soll: das Tablet von Apple, das, so verraten die Auguren, heute in einer Woche, bei einem von Apple angekündigten Event vorgestellt werden soll. Obwohl es bereits eine ganze Reihe von Tablet PCs gibt, wird besonders das Apple-Tablet, eine Art Notebook mit Touchscreen, mit Spannung erwartet. Apple wird zugetraut, was andere bislang nicht schafften: ein ansprechendes Gerät mit einem vernünftigen Geschäftsmodell zu verbinden. Bislang fehlt im E-Book-Bereich ein funktionierendes Geschäftsmodell, das sich auf dem Markt durchsetzt.
Die erhältlichen Lesegeräte, allesamt mit E-Ink-Display, imitieren das Lesen eines gedruckten Buches und sind dezidierte Lesegeräte, mit denen man kaum im Internet surfen oder andere Dinge verrichten kann. Zudem machen sie sich und den Verlagen durch die Verwendung verschiedenster offener und proprietärer Formate das Leben schwer. Geeignet sind diese Geräte sicherlich für „professionelle Leser“, wie Lektoren oder Professoren, die viel Lesestoff mit sich herumtragen, was durch die Digitalisierung für solche Reader im Wortsinne erheblich erleichtert wird, aber auf dem Massenmarkt werden sich dezidierte Lesegeräte kaum durchsetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der einzige „Big Player“, dem am ehesten eine erfolgreiche Strategie zugetraut wird, nämlich der Online-Buchhändler amazon, die Verlage durch eine restriktive Preispolitik ärgert und sich mit dem direkten Werben um Autoren (und ihre E-Book-Rechte) nun auch noch zu diesen in Konkurrenz setzt, während sich Googles Image und Marktmacht viele Verlage eher davon abhält, sich dem Suchmaschinenmonopolisten auszuliefern. Weder die Angebote für das iPhone noch Online-Bibliotheken (die sich vor allem für Fachbücher eignen) konnten die großen Erwartungen bislang erfüllen und das E-Book zu einem relevanten Umsatzposten entwickeln.
Was Apple mit dem iPod in Verbindung mit dem iTunes-Shop im Musikbusiness gelungen ist, soll nun auch (endlich) für die E-Books gelingen: ein attraktives Angebot, das der kostenlosen Konkurrenz von Tauschbörsen entgegentritt und es den Verlagen ermöglicht, neue Zielgruppen über das Internet anzusprechen und damit auch Geld zu verdienen. So soll das Tablet z. B. ermöglichen, sogenannte “Enhanced-E-Books” anzubieten, also um zusätzliche Medien, wie Bilder, Videos und Weblinks erweiterte E-Books, die die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen und damit einen echten Mehrwert gegenüber dem gedruckten Buch bieten – und höhere Preise für das E-Book als von amazon bislang durchgesetzt, rechtfertigen. Wie das Wall Street Journal berichtet, bestätigte der Verlag Harper Collins entsprechende Gespräche mit Apple. Es bleibt abzuwarten, ob das Tablet das Geschäft mit E-Books entscheidend in Fahrt bringt oder ob die Leser ihre Lieblingsromane vielleicht einfach weiter lieber auf Papier lesen möchten – und sich für das Internet vielleicht erst noch entsprechende Genres, Text- oder Dateiformen entwickeln müssen. Mein E-Book-Favorit ist, nach wie vor, das Tagebuch von George Orwell: taggenau 40 Jahre nach Entstehen als Blog veröffentlicht, landet es (fast) täglich für zwischendurch in meinem Feed-Reader.
Aktualisiert am 20. Januar 2010















