AKEP-Tagung 2007


Die gestern zu Ende gegangene AKEP-Tagung hat einen Eindruck vermittelt, wo die Branche in der Frage der Digitalisierung und Aktivitäten im Internet steht. Noch immer suchen die meisten Verlage ihren Weg, aber die Richtung zeichnet sich ab: Sie geht weg vom Internet als Verkaufshilfe für das gedruckte Buch, hin zu neuen Geschäftsmodellen, innerhalb derer z. B. Inhalte für Nutzer kostenlos bereitgestellt werden, um auf anderen Wegen finanziert zu werden. Zwar werden heute im Internet mit Werbung kaum große Gewinne erzielt, aber dem Online-Werbemarkt wird von vielen eine sprunghafte Entwicklung vorausgesagt (und die gegenwärtige Konzentration, z. B. durch Googles jüngste Firmenkäufe deutet ebenfalls darauf hin).

Das Internet wird damit (endlich!) als Publikationsmedium ernst genommen und nicht nur als Werbeinstrument und Nebenmarkt. Entscheidend dabei wird sein, dass die Verlage ihre Marke (oder ihre Marken – auch Autoren sind Marken, wie der von Sascha Lobo gehaltene Vortrag eindrucksvoll vorführte) als „Qualitätssiegel“ einsetzen um zu ihrer vorhandenen Leserschaft neue, jüngere Zielgruppen zu finden. Zugleich ist dabei nicht zu vernachlässigen, dass das Publizieren im Netz, das Schreiben und Redigieren für ein Online-Medium auch neue Kompetenzen erfordert, die sich Verlage erst noch aneignen müssen.

Einen Schritt weiter in dieser Richtung ist die Entwicklung bei Zeitungen und Print-Magazinen, die ebenfalls massiv unter Leserschwund, vor allem in der jüngeren und jüngsten Generation zu leiden haben. Das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Relaunches von tagesspiegel.de und taz.de, die nun wie vorher bereits Spiegel, Zeit und andere den Webauftritt nicht mehr als Nebenprodukt, das Kunden an das Printprodukt binden soll, sondern als eigenständige Publikation begreifen. Neben den Print-Inhalten, die aktuell (und nicht mehr erst nach Redaktionsschluss der Printausgabe) im Netz erscheinen, entstehen reine Online-Texte, Internet-Kolumnen und Communities, immer mehr Blogger schreiben unter dem Dach der Printmarke. Werbeanzeigen, Shops und kostenpflichtige Angebote, wie besondere Premium-Zugänge, gebündelte Dossiers etc. sollen dabei die Einnahmen bringen.

Um die Schwierigkeit, einen großen und regional sehr verwurzelten Konzern in diesem Sinne zu bewegen, ging es untern anderem in dem abschließenden Gespräch mit Katharina Borchert. Als Bloggerin bekannt geworden (nicht überall!), ist sie mittlerweile Online-Chefredakteurin der WAZ und sie berichtete von den Problemen, zwischen Tradition und Moderne zu vermitteln und dabei eine Marke so zu verändern, dass sie auch für neue, junge Leser attraktiv wird. Wahrlich eine interessante Aufgabe, die auch vielen in der Verlagsbranche noch bevorsteht.

Aktualisiert am 2. März 2010