Innerer Monolog eines E-Books


In der FAZ: Umberto Ecos innerer Monolog eines E-Books:

„Ich weiß nicht, warum ich aus dem Text, den man in mich eingespeist hat, erfahren habe, dass ich ein E-Book bin, ein elektronisches Buch, dessen Seiten über einen Bildschirm laufen. Mir scheint, ich habe einen größeren Speicherplatz als Papierbücher, denn ein Papierbuch kann zehn, hundert oder auch tausend Seiten haben, aber viel mehr nicht. Ich dagegen könnte sehr viele Texte beherbergen, alle auf einmal. Ich weiß allerdings nicht, ob ich sie alle auf einmal denken könnte oder nur einen nach dem anderen, je nachdem, welchen mein Benutzer aktiviert. Immerhin habe ich außer den Texten, die in mich eingespeist werden, auch noch ein inneres Programm, ein – sozusagen – eigenes Gedächtnis. Wer ich bin, begreife ich nicht nur durch den Text, den ich gerade beherberge, sondern auch durch die Natur meiner inneren Stromkreise. Also ich meine … ich kann es nicht so gut ausdrücken, aber es ist, als könnte ich aus dem Text, den ich beherberge, hinausspringen und sagen: „Sieh an, wie kurios, ich beherberge diesen Text!“ Ich glaube nicht, dass ein Papierbuch das tun kann, aber wer weiß, ich nehme an, ich werde wohl nie Gelegenheit haben, mit einem Papierbuch einen Dialog zu führen.“

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Aktualisiert am 29. Dezember 2008